SALZ-Sommerwoche 2009. Zurück zur Programmübersicht
Faschismus in Deutschland?
Die Faschismusanalyse von August Thalheimer und der KPO
Referierend: N.N.
Anders als Georgi Dimitroff, der im gleichen Jahr 1935 erklärte, der Faschismus sei „die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“, bezieht sich August Thalheimer in seiner Analyse auf den „18 Brumaire des Louis Bonaparte“: „Indem (...) die Bourgeoisie, was sie früher als 'liberal' gefeiert, jetzt als 'sozialistisch' verketzert, gesteht sie ein, daß ihr eignes Interesse gebietet, sie der Gefahr des Selbstregierens zu überheben, daß, um die Ruhe im Lande herzustellen, vor allem ihr Bourgeoisparlament zur Ruhe gebracht, um ihre gesellschaftliche Macht unversehrt zu erhalten, ihre politische Macht gebrochen werden müsse; daß die Privatbourgeois nur fortfahren können, die andern Klassen zu exploitieren und sich ungeträbt des Eigentums, der Familie, der Religion und der Ordnung zu erfreuen, unter der Bedingung, daß ihre Klasse neben den andern Klassen zu gleicher politischer Nichtigkeit verdammt werde; daß, um ihren Beutel zu retten, die Krone ihr abgeschlagen und das Schwert, das sie beschützen solle, zugleich als Damoklesschwert über ihr eignes Haupt gehängt werden müsse.“ (Marx Engels Werke 8, Seite 154). Während Dimitroff im Rahmen der Volksfrontpolitik nur die reaktionärsten Kreise der Bourgeoisie anprangert um sich mit den anderen verbünden zu können, geht Thalheimer davon aus, dass sich die gesamte bürgerliche Klasse in einer ausweglosen Situation befindet, in der nur noch die Übergabe der politischen Macht an die faschistische Partei Rettung verspricht, um ihre ökonomische Macht zu sichern.
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und die Spaltung der Arbeiterbewegung ermöglichte die faschistische Diktatur in Deutschland. Besteht in der momentanen Krise die Gefahr einer faschistischen Massenbewegung? Wer dringt in das Vakuum vor, das die Gewerkschaften angesichts ihrer Hilflosigkeit gegenüber den Krisenfolgen hinterlassen? Wie ist die Verselbständigung der Exekutive, der Abbau an demokratischen Rechten, die zunehmende Überwachung zu bewerten? Welche Gegenstrategien sind möglich?